A-Klassiger B-Kader
Neues Jahr, Neue Reise, Neues Abenteuer, Neuer Blog! Schon unser erster Ausflug 2011 brachte wieder einige unvergessliche Momente mit sich. Alleine die Anreise zum B-Kader Nationalteam Trainingslager nach Teneriffa versprach aufregend zu werden. Der Flug mit unserer Zehntlieblingsfluglinie Ryanair ging nämlich ab Bologna. Also setzten wir uns freitagmorgens in unseren froschgrünen Teamflitzer und machten uns auf den Weg nach Venedig. Von dort aus sollte es mit dem Zug weiter gehen. Unser Auto versuchten wir in Venedig Mestre irgendwo in der Nähe des Bahnhofs zu verstecken. Auf Anhieb fanden wir einen Parkplatz genau vor einer Bar, die aussah, als wäre sie schon seit mehreren Jahren nicht mehr geöffnet gewesen. Kaum waren die Koffer ausgepackt und das Auto abgesperrt kam die Barbesitzerin und öffnete die Rollläden. Vor uns kam wie Phönix aus der Asche eine wunderschöne Bar zum Vorschein. Weil wir aber das Risiko lieben, ließen wir das Auto direkt vorm Bareingang stehen und hofften, dass es uns bei unserer Rückkehr dort unversehrt erwarten würde.
Nach der Zugfahrt nach Bologna mussten wir mit dem Bus zum Flughafen.
Um Geld zu sparen nahmen wir nicht den Airport-Express, sondern versuchten es mit dem städtischen Bus, der angeblich nur 500 Meter entfernt vom Flughafen stehen bleiben sollte. Um endlich wieder mal mit meinen Italienisch-Kenntnissen auftrumpfen zu können fragte ich im Bus einen älteren Herrn, bei welcher Station wir aussteigen sollen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich eine Diskussion, an der sich fast alle Insassen beteiligten. In typisch italienischer Manier diskutierten auf einmal 20 ältere Damen und Herren im Bus mit Händen und Füßen über den besten Ausstiegszeitpunkt für uns. Schließlich einigten sie sich gerade noch rechtzeitig auf eine Station am Stadtrand neben der Autobahn. Von dort mussten wir nur noch unter der Autobahn durch und dann links. Nach der Unterquerung der Autostrada standen wir an einem riesigen Kreisverkehr und weit und breit war kein Flughafen in Sicht. Gerade aus ging es leicht bergauf und wir konnten nicht über die etwa 50 Meter entfernte Hügelkante sehen, deshalb entschieden wir uns links die Via dell’aeroporto (Flughafenstraße) entlang zu schlendern. Nachdem wir circa einen Kilometer mit unseren Rollkoffern entlang eines Militärsperrgebiets gewandert waren (gefühlte 20 Kilometern, wenigstens schien die Sonne und es hatte 20 Grad) wunderten wir uns schön langsam warum immer noch kein Terminal oder Ähnliches in Sicht war. Also fragten wir einen vorbeifahrenden Italiener. Der hatte leider keine erfreulichen News für uns. Er gab uns folgende Wegbeschreibung: die Via dell’Aeroporto zurück bis zum Kreisverkehr und von dort sind es nur noch 50 Meter über die Hügelkante (soooo bitter!). Zum Glück hatten wir noch einige Zeit bis zum Abflug. Und dann nahm uns der nette Bolognese (Einwohner Bolognas) auch noch im Auto mit zum Flughafen. Der Tag war gerettet.
Kurz vor dem Check-In entdeckte ich neben dem Schalter eine Gepäckswaage. Bei Ryanair sind ja nur 15kg erlaubt, also kontrollierten wir vor dem Einchecken noch kurz unsere Koffer. Natürlich waren wir beide drüber und das Handgepäck platzte auch schon aus allen Nähten. Nach geschicktem zehnminütigem Umpacken (jeder hat sich noch zwei T-Shirts unter den Pullover angezogen und die eingepackten 1,5 Liter Wasser haben wir auf ex vernichtet) schafften wir es auf das erlaubte Gewicht! Eingecheckt und etwas verspätet erwartete uns bei der Sicherheitskontrolle eine Kilometerlange Schlange. Trotzdem blieben wir cool und stellten uns brav an. Beim „Last Call“ war Robin dann grad dabei seinen Rucksack auszupacken, weil die Sicherheitsleute bei ihm (wie immer) irgendwas verbotenes vermuteten. Auf Grund seiner Routine hatte er den Rucksack aber schnell wieder eingeräumt und wir konnten weiter zum Gate.
Im Flugzeug angekommen mussten wir uns einen guten Platz sichern (bei Ryanair ist ja freie Platzwahl) und fanden auch gleich zwei schöne Sitze in der letzten Reihe. Neben uns setzte sich ein sehr hektischer und nervöser junger Mann hin. Zuerst dachten wir er hat Flugangst, doch sofort nach dem Hinsetzen zückte er einen Stift, einen Zettel und ein paar Folien mit bunten Kreisen und Flächen in allen verschiedenen Farben darauf. Prompt begann er auf den Zettel irgendwelche Zahlenkombinationen zu schreiben und mit dem Zeigefinger wie wild auf den Folien herum zu fahren. Er fuhr mit dem Finger auf den Folien Kreise und Striche und erledigte in beeindruckender Geschwindigkeit komplizierte Bewegungsabläufe und Kombinationen. Das alles machte uns richtig nervös, aber als er dann mit der Zeit anfing auf dem Zettel eine Zahlenkombination nach der anderen abzuhaken hatten wir echt schon eine Scheißangst. Vor allem beim Start zitterten wir diesmal wirklich anständig. Und anstatt auf dem vierstündigen Flug zu schlafen, beobachteten wir weiterhin unseren Sitznachbarn und überlegten die ganze Zeit was er da machte. Bis sich Robin dann kurz vor der Landung getraute ihn zu fragen. Daraufhin erklärte er uns in gebrochenem Englisch (er war Slowene), dass das Ganze etwas mit Biophysics zu tun hat und wiederholte immer wieder: „this is how god thinks, this is how god is thinking“. Irgendwie erhoffte er sich ewige Gesundheit und ein langes Leben, wenn er das zwischen 25 und 30 Stunden am Tag macht oder so ähnlichJ! Tatsächlich pausierte er zwischen Bologna und Teneriffa keine einzige Sekunde. Das war schon mehr als mysteriös! In der Folge fanden wir es sogar unheimlich mindestens eine Woche auf derselben Insel wie der verrückte kleine Slowene zu verbringen.
Den Bus am Flughafen erwischten wir genau rechtzeitig und so konnten wir schon bald im Hotel relaxen und uns zum ersten Mal das geile (am ersten Tag war es wirklich noch geil) Buffet zu Gemüte führen. Am nächsten Morgen gings gleich los mit dem intensiven Trainingsprogramm. In den 11 Tagen auf Teneriffa standen geschätzte 45 Balleinheiten, 20 Stunden Kraftkammer und 10-mal Ausdauertraining auf dem Programm (alles haben wir nicht ganz geschafft). Dazu kamen natürlich noch etliche zu erledigende Freizeitaktivitäten. Am ersten Samstag konnten wir uns natürlich das Music-Quiz im Hotel nicht entgehen lassen. Schon bei unserem ersten Teneriffa-Trainingslager mussten wir uns dabei im Hotel Ponderosa nur hauchdünn geschlagen geben. Auch diesmal, im Hotel Oro Negro zählten wir in mitten der 50 britischen Pensionisten zum Kreis der Favoriten. Bei dem Quiz wurden immer kurze Musik-Sequenzen eingespielt und dann mussten wir entweder Songtitel, Interpret oder Musik- bzw. Tanzstil erraten. Leider war das einzige nach 1965 produzierte Lied, das eingespielt wurde, der Teletubby-Song. Den Punkt holten wir uns aber dank Robin souverän ab. So hatten wir diesmal leider nicht wirklich eine Chance. (Videos dazu gibts auf unserem Youtube-Channel http://www.youtube.com/user/wfhbeachteam)
Bei den Trainingseinheiten am Strand waren leider nicht immer alle Spieler anwesend. Gleich zu Beginn fielen Kunert/Koraimann für fast eine Woche mit einer Verkühlung aus und danach erwischte es noch einige andere. Abgesehen davon verliefen die Trainings aber sehr zufriedenstellend. Lediglich bei den Ball-Einheiten am zweiten Wochenende wirkten alle Spieler ein wenig unkonzentriert. Vielleicht, wegen der schön langsam aufkommenden Müdigkeit, vielleicht wegen der immer stärker werdenden Sonne oder einfach nur wegen der vielen Spanierinnen, die Samstag und Sonntag „oben ohne“ am Strand lagen.
Außer den täglichen Trainings hatten wir das Glück, dass wir auch einmal an einem freundschaftlichen Turnier mit den Schweizer Nationalteams teilnehmen durften. Früh morgens mussten wir schon gegen den Vizeweltmeister und Europameister Sasha Heyer mit Partner Sebastian Chevalier ran. Obwohl Robin’s Angriffe auf Grund seiner Bauchmuskelverletzung noch lockerer waren als gewöhnlich schon, konnten wir uns mit 2:1 durchsetzen. Die Schweizer checkten einfach zu spät, dass er nur Shoten konnte. Der alte Fuchs Martin Laciga kam im zweiten Spiel dann leider sofort dahinter und so mussten wir uns ihm und seinem Partner Jonas Weingart knapp mit 1:2 geschlagen geben. Die Beachlegende Laciga haderte das ganze Spiel über mit unserem unkonventionellen Spiel und unserer guten Verteidigungsleistung: „Jetz hat er den auch noch! … Den kriegt ihr aber nicht mehr! … Jetz trifft er die Linie auch noch! … Wieder mit Netzband, das gibt’s doch gar nicht!“ Es war ein richtig lustiges Spiel! In der letzten Partie des Tages konnten wir die zwei Muskelpakete Sutter/Sutter mit 2:1 besiegen. Am Vortag Kraftkammer und dann 9 Sätze – das war dann nicht mehr so lustig. Endlich passten wir vom Gehtempo und von der verbliebenen Kraft in unseren Körpern perfekt in unser Hotel. Nach dem Tag fielen wir zwischen den ganzen britischen Pensionisten gar nicht mehr auf (humpeln, gebückte Haltung, Probleme beim Treppensteigen, Gelenksschmerzen, …). Nur an den Socken in den Sandalen erkannte man noch den Unterschied (die hatten natürlich nicht wir an, sondern die).
Um aber zu beweisen, dass wir doch noch stärker, geschickter und agiler sind wie die anderen Urlauber im Hotel meldeten wir uns an unserem letzten Tag zu einem Animationsspiel an. Bei dem Spiel musste man irgendwelche Scheiben in kleine Tore mit unterschiedlicher Punktewertigkeit rollen. Um die alten Leute nicht hysterisch zu machen und weil ich keine Autogrammkarten dabei hatte meldete ich mich unter falschem Namen an. Ich nannte mich Peter! Witzigerweise waren unter den circa 5 schon Angemeldeten bereits zwei mit dem Namen Peter dabei. Dies führte zur Absoluten Verwirrung der Animateurin und aller Teilnehmer. Auf den Sieg hatte aber keiner von uns 3 Peters eine Chance. Robin matchte sich mit einer etwa 95-jährigen Italienerin um den Titel musste sich am Ende aber geschlagen geben. Nach dieser enttäuschenden Leistung wollten wir unseren Frust im Alkohol ertränken. Da das Teambudget aber schon restlos verbraucht war blieb es bei einem Bier. Das gönnten wir uns in einer gemütlichen Bar mit Live-Musik. Als eine leicht überschminkte 45 Jährige anfing uns auf die Pelle zu rücken und einer der Sänger begann pervers in Richtung einer anderen 45 Jährigen zu gestikulieren während er rhythmische Hüftbewegungen ausführte (die Frau hielt es kaum mehr am Stuhl), wurde es uns doch zu heiß und wir beschlossen das Feld lieber zu räumen.
Am nächsten Morgen räumten wir unsere 10m² Penthouse-Suite (im zehnten Stock) mit Meerblick und machten uns mit dem Bus auf den Weg zum Flughafen. Zurück flogen wir mit Vueling (wusste bis dahin auch nicht, dass es die Airline gibt – falls es überhaupt wirklich eine Airline ist) über Barcelona nach Venedig. Dort fanden wir tatsächlich unser Auto in Topzustand an (nur die Handbremse war eingefroren, mit Vollgas brachte ich den Wagen aber in Bewegung). Nur zweieinhalb Stunden später waren wir wieder zurück in Klagenfurt. Wir hatten unseren ersten Ausflug der Saison also schon mal unbeschadet überlebt.



















