Ende Juni brachen wir auf zu einem kleinen Reisemarathon. Zuerst stand ein Turnier in Griechenland auf dem Programm, nach einem Tag zu Hause sollte es dann weiter gehen zu einem Turnier in der Ukraine und dann direkt weiter in die Schweiz zum Grand Slam in Gstaad. Wir hatten wie immer alles perfekt durchgeplant und machten uns so ohne Sorgen auf zu unserem nächsten Abenteuer. Die erste Etappe lautete Klagenfurt – Naxos – Klagenfurt.

Einen Tag vor der Abfahrt trainierten wir in Slowenien. Die Strecke über den Loiblpass legten wir diesmal aber mit dem Vereinsbus zurück. Nicht etwa um meinen treuen und verlässlichen Gefährten, den froschgrünen VW Polo, für die bevorstehende Fahrt zum Wiener Flughafen zu schonen, nein, der Grund war viel mehr eine Art Arbeitsverweigerung unserer Team-Karre. In der Früh als ich losfahren wollte sah einer der Reifen aus wie „Flasche leer“. Der war mindestens so platt wie unser gelegentlicher Traingspartner Matthäus „Matty“ Rohrer nach einer halben Stunde Beachvolleyballtraining. Mit dem Reserverad, das (glaube ich) eigentlich einmal einer Scheibtruhe gehörte, schaffte ich es noch bis nach Viktring, wo ich meine Winterreifen gelagert habe. Da die Zeit für einen Boxenstopp zu knapp war borgten wir uns einfach den Vereinsbus aus. Den Reifenwechsel erledigte ich dann in Rekordtempo noch am selben Abend nach unserer Rückkehr aus Slowenien. Unser Auto war also wieder Reisefertig!

Am nächsten Morgen waren wir in etwa 3 Stunden am Bahnhof in Schwechat, wo wir unser Vehikel sicher in einer Nichtkurzparkzone parkten (Navi und Autoradio haben wir natürlich mitgenommen, sodass das wertvollste am geparkten Auto der neu montierte, circa 20 Jahre alte Winterreifen war und sich für niemanden ein Einbruch auszahlte). Von dort sind es dann nur noch 10 Minuten mit dem Zug zum Flughafen. Diesmal riskierten wir nichts mehr und flogen direkt von Wien nach Athen. Bei der Sicherheitskontrolle waren wir wie fast schon traditionell die Letzten. Obwohl wir uns gleich zu Beginn anstellten. Irgendwie besitzen wir ein Talent dafür immer die langsamste Schlange zu finden. Diesmal war vor uns eine Schulklasse auf Maturareise. Eine ganze Reihe von Sicherheitskontrolljungfrauen (aso muss ich das Handy auch aus der Hosentasche geben, aso die Uhr ist auch aus Metall, aso den Laptop muss ich raus nehmen, …). Da wir uns über den genauen Punktestand bei der Schnapswertung pausenlos stritten, versuchten wir während dem Flug was Neues. Beim „Um die Wette Sudoku“ behielt ich in beiden Schwierigkeitsstufen klar die Oberhand. Deshalb sucht Robin mittlerweile schon wieder nach einem neuen Spiel. In Athen angekommen setzten wir uns dann in den Bus zum Hafen von wo aus es mit der Fähre auf die schöne Insel Naxos weitergehen sollte. Laut Flughafenauskunft braucht der Bus circa eine Stunde bis zum Hafen. Das war natürlich nicht der Fall. Erst circa 1:40 Stunden später stiegen wir in Piräus aus und fingen an unsere Fähre und unseren griechischen Kontaktmann Costas (der heißt wirklich so – wie jeder zweite Grieche – ich hab nicht einfach den erstbesten typisch griechischen Namen hergenommen) zu suchen.

Um 17:30 war Abfahrt, um 17:10 zückte ich mein Handy und wählte Costa’s (Costas’, Costas’s, … ? … Costas seine) Nummer. Der lotste uns dann per Telefon zur richtigen Andockstelle. Dort erwarteten uns schon unsere zwei Brasilianischen Freunde Mocca und Ferramenta, gegen die wir in Rum im Finale gespielt hatten, und einige andere Turnierteilnehmer. Dass Costas schon einigermaßen nervös war merkte ich bereits am Telefon. Immerhin muss man normalerweise mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt auf der Fähre sein. Zum Glück hatte die Fähre nach Naxos (wie von uns geplant) eine Stunde Verspätung. So sahen wir gerade noch die letzten LKWs ausfahren, bevor wir uns vor einem der zwei Eingänge anstellten. Natürlich erwischten wir wieder die langsamere Schlange. Als dann auch noch plötzlich ein dritter Eingang aufgemacht wurde und alle Leute hinter uns die Schlange wechselten standen wir wieder als Letzte da. Irgendwann schafften wir es dann doch noch auf die Fähre. Wir waren ja schon froh, dass diese überhaupt verkehrte. Einen Tag zuvor gab es noch einen Fährenstreik in ganz Griechenland. Zum Glück wurde dieser noch rechtzeitig beendet.

Von der Schiffsfahrt habe ich eigentlich alles verdrängt, weil ich miterleben musste wie die beste Mannschaft (meine campioni del mondo – jetzt nicht mehr) bei der Fussballweltmeisterschaft vorzeitig ausschied. Da brauchte ich schon einige Zeit um das zu verkraften. Mein Gedächtnis setzt dann mitten im Technical Meeting wieder ein. Das wurde leider ohne Untertitel durchgeführt, also hab ich so viel verstanden wie ein Mittelblocker von der Annahmetechnik! Das Turnier verlief dann nicht unbedingt nach Wunsch für uns. Gleich in Runde eins wurden wir in den Loser-Pool geschickt. Dann spielten wir im Stundentakt bei Affenhitze 4 weitere Partien (ja ich weiß, wir hätten auch gemütlich One, Two gehen und den restlichen Tag in der Sonne liegen können – wir sind solche Masochisten!). Zwischen zwei Spielen wollten wir kurz in eine Taverne ein paar Suvlaki essen gehen. Als wir zurück kamen, waren unsere Gegner natürlich schon beim Einschlagen. Trotz zwei Kilo Tzatziki im Bauch und nur einer halben Minute Aufwärmen (na gut, bei so einer Hitze aufwärmen is eh kompletter Schwachsinn) schafften wir den Sieg.

Im letzten Spiel des Tages, in dem die gleichen Teams aufeinander trafen wie im ersten Spiel des Tages, am Center Court wurde dann unser Ende besiegelt. Gerade noch rechtzeitig vor dem Einbruch der Dunkelheit. Robin war in diesem Spiel die größte Zuschauerattraktion. Obwohl es schon fast finster war (Harry Dobeiner hätte schon lange eine Lichtmessung mit dem Luxmeter verlangt) spielte er mit seiner vollverspiegelten Carrera-Sonnenbrille. Für den zweiten Satz wollte ihm der Schiri schon fast einen Blindenhund mit aufs Feld schicken. Trotz allem behielt er den Durch- und Überblick und wir mussten uns nur knapp geschlagen geben. Der Sonntag wurde also zu einem freien Tag, den wir größtenteils in einem gemieteten Strandbuggy verbrachten. Ohne Tachometer, Tankanzeige oder sonst irgendwas flitzten wir von einem Strand zum nächsten. Irgendwann verschlug es uns dann in ein Strandcafe, in dem wir uns die WM-Partie Deutschland gegen England rein zogen. Leider gemeinsam mit 25 Deutschen. Spätestens nach dem 3:1 wurde es ziemlich mühsam. Beim 4:1 wurde eine Dame mittleren Alters gerade noch von ihrem Ehemann gestoppt, als sie zu einer Oben-Ohne Ehrendrunde durch das Cafe aufbrechen wollte. Wenigstens blieb uns dieser Anblick im Gegensatz zu den vielen unpackbaren Kommentaren erspart.


Nach ein paar Drinks am Abend legten wir uns noch kurz aufs Ohr ehe wir früh morgens schon wieder auf die Fähre mussten. Die 6 Stunden Fahrt verbrachten wir schlafend am Oberdeck (bei Windstärke zehn – ich hab mich zur Sicherheit an meinem Koffer festgebunden). Zurück in Athen hatten wir es ein wenig eilig zum Flughafen. Robin sprintete zum erstbesten Taxler und fragte ihn ob er uns mitnehmen könnte. Er winkte mich und die zwei Brasilianer (die wollten auch mit zum Flughafen) zu sich. Ich betonte noch einmal, dass wir es verdammt eilige haben. Er ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen und brauchte für die 50 Meter zu seinem Auto mindestens 2 Minuten (zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass er aussah wie der griechische Bud Spencer). Ich erklärte ihm noch einmal, dass wir spätestens in einer Stunde (um 3 Uhr) am Flughafen sein mussten. Er antwortete: „It depends on the traffic, but anyways we will be there in 45 minutes!” Nach etwa 10 Minuten im Stau schafften wir es endlich auf die Autobahn. Weitere 5 Minuten später entschloss er sich umzudrehen, weil auf der Autobahn zu viel Verkehr ist und sagte: „We have to find another street. Anyways we will be there in time!“

Die 15 Minuten wieder retour und dann noch mal 10 Minuten später kam der nächste Schock. Auch die zweite Route passte ihm nicht: „A friend told me there is a lot of traffic on this street, so we will go another street! Anyways, you will be at the airport at 3!” Etwa 5 Minuten später fing er an zu fluchen und zündete sich eine Zigarette nach der anderen an. Schön langsam wurde mir klar: Das wird nichts mit 3 Uhr! Plötzlich stoppte er kurz und zeigte uns rechts neben der Straße das antike Olympiastadion. Dann sollten wir jeder ein paar Fotos machen bevor er die Fahrt wieder aufnahm (so viel Zeit muss sein!?!). Weitere 20 Minuten später kamen wir zu einem Straßenschild auf dem der Flughafen angeschrieben war. Ich hoffte nur das die Zahl daneben keine Kilometerangabe war. Wer mitgerechnet hat weiß, dass es bereits nach 3 Uhr war und die Zahl war zweistellig! Der Taxifahrer beruhigte mich: „Anyways, you will make it. You fly with Aegaen, that is Terminal 2. I bring you there and then you must run!” Um 15:27 (unser Flieger ging um 16:00, um 15:30 schließt der Check-In Schalter)  fuhren wir am Terminal 2 vor. Robin sprang aus dem Taxi und rannte in Richtung Check-In Schalter. Ich handelte noch schnell den Preis runter und zahlte. Wir hatten es doch noch geschafft. Ab nach Hause!

Ein Kommentar zu “Anyways – Früher oder Später kommen wir wieder nach Hause!”

  1. El Vechio sagt:

    in fortsetzung deiner aktionen in london stantsted beim uni turnier vor jahren mit flo:). wohl damit du für so was in übung bleibst

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