Nach einer langen, abwechslungsreichen Vorbereitung stand diesmal im April auf einmal schon der Saisonstart vor der Tür. Und wer uns Kärntner kennt, der weiß: “Bei uns gibt’s nur a Gas, und des is Vollgas” (Buchanan Mitch 1997: “Mitch bei der Arbeit“. In: Life Guard [Herausgeber], “Meine besten Sprüche“, Hasseldorf: Lumenokia-Verlag, S. 198423 – 203677 > ein ziemlicher Wälzer). Deshalb dachten wir uns auch, wir beginnen die Saison heuer gleich mit einem FIVB-Open, einem Turnier der zweithöchsten Kategorie der Welt. Und damit es sich auch richtig auszahlt suchten wir uns das weit entfernteste Turnier des Jahres gleich zum Auftakt aus (wir dachten uns: dann haben wir die längste Fahrt wenigstens schon hinter uns! – dasselbe sagen wir immer, wenn wir in der AVL [Österreichische Volleyball Bundesliga] gleich am Anfang nach Arbesbach müssen). Und weil man ja nur einmal im Jahr ein Saisonauftaktsturnier spielt entschieden wir uns dieses an einem für Beachvolleyball ganz besonderen Ort zu bestreiten: Im Land des Beachvolleyballs, in der Hauptstadt des Landes des Beachvolleyballs, am Hauptplatz der Hauptstadt des Landes des Beachvolleyballs. Am Brasilplatz (zu dramaturgischen Zwecken wurde der Name des Platzes von mir verändert) von Brasilia (die Stadt heißt wirklich so – kitschig oder? Bei uns wäre das Österreichia statt Wien! Naja!?!) in Brasilien.
Wer meinen letzten Blogeintrag gelesen hat, dem kommt unser Abflugsort sicher noch bekannt vor. Diesmal schafften wir es aber Abflug und
Ankunft am selben Flughafen zu buchen – nämlich in Venedig. Normalerweise wären wir natürlich wieder mit unserem früher froschgrünen (mittlerweile rostbraun gemäschten) Teamflitzer zum Flughafen der italienischen Hafenstadt gefahren. Glücklicherweise (der Arbö, bei dem ich Mitglied bin, hat sich auch gefreut) konnten wir für die Saison 2011 aber die Firma Victory-Shuttle als Sponsor gewinnen. Sie haben sich auf Flughafentransfers spezialisiert und bringen Leute aus Kärnten und der Steiermark von der Haustüre bis zum Check-In Schalter. So wurden wir von einem wunderschönen Kleinbus in Klagenfurt abgeholt und bis nach Venedig chauffiert (Robin, die Arbö Mechaniker, meine Mutter und die italienische Umwelt konnten also beruhigt sein – mein froschgrüner VW wurde kurzerhand beurlaubt und wird wenn er so weiter macht [seit circa 2000 Kilometern blinken andauernd irgendwelche roten Warnleuchten] schon bald in die Frühpension entlassen). Außer dem Fahrer und uns Zweien war sonst niemand an Bord des Shuttles. Robin musste natürlich wieder vorne sitzen, damit ihm nicht schlecht wird (Was soll ich dazu noch sagen? Wenn euch dazu noch was einfällt postet es bitte unten in einem Kommentar. Derjenige mit der besten Meldung dazu bekommt ein originales World-Tour Shirt vom FIVB-Open in Brasilia). Das bedeutete ich hatte hinten 6 Sitze nur für mich zur Verfügung. Ich merkte also einen kleinen Unterschied bei der Komfortabilität im Gegensatz zum Selberfahren (nach 2 Minuten war ich weggepennt!).
Am Flughafen ging dann naturgemäß wieder mal alles schief. Zuerst wurde ich beim Self-Check-In von Lufthansa als Mr. Abid Dhemir eingebucht (Sofort wurde ich von zwei Securities mit dem Gesicht auf den Boden gedrückt und meine Taschen wurden durchsucht. Robin schrie wie wild: “Ahhhh, ein Sleeper, ein Sleeper, i habs schon immer gwusst. Erschießts ihn, und dann bringts ihn um!!!” – Teile [99,9 %] dieser Klammer sind frei erfunden.) Zum Glück habe ich keinen wirklich dichten Bartwuchs, so war das Missverständnis schnell aufgeklärt.
Dann gleich die nächste Aufregung bei der Gepäckaufgabe: es hieß wir dürfen nur 1 Handgepäcksstück mit an Bord nehmen und auch die Notebook-Tasche ist keine Ausnahme. Da standen wir nun mit vollgepackten Rucksäcken und unseren Laptops. Ich fühlte mich ungerecht behandelt und forderte absolute Gleichberechtigung der Geschlechter (Revolution!!! Emanzipation!!! Maschulinismus statt Feminismus!!!). Frauen dürfen nämlich ihre Überdimensionalen Handtaschen (die teilweise größer sind als unsere Rollkoffer) zusätzlich zum einen Handgepäcksstück mit an Bord nehmen, weil sie darin ja ihre wichtigsten persönlichen Dinge (in meinem Fall ist das wohl eindeutig der Laptop) verstauen. Leider war an unserem Schalter eine Frau (Mit Kurzhaarschnitt! Robin’s Charme half also auch nicht weiter.) am Werken, die mein Anliegen nicht wirklich zu verstehen schien. So mussten wir die Rucksäcke in einem riesigen Plastiksack, zum Glück nicht entsorgen, aber mit den Koffern abgeben.
Nur wenig später der nächste Schock. Unsere Sitzplätze beim Flug von Frankfurt nach Sao Paulo (jetzt denkt ihr wahrscheinlich: hat der Vollchaot nicht oben weiter irgendwas von Venedig und Brasilia geschrieben? Stimmt, aber natürlich flogen wir wieder mit der maximalen Anzahl an Zwischenstopps) lagen etwa 20 Reihen voneinander entfernt. Wir waren fertig mit den Nerven. Vor allem Robin wurde gleich wieder hysterisch (“Aba was soll i dann die ganze Zeit im Flieger alan machen? Wos isn des für a Verhöhnung? Mahh, i mog niama fliagn!”) Wir, die wir uns sonst sogar ein Ladegerät für unsere zwei Notebooks und oft auch ein Handtuch für unsere zwei Traumbodys teilen und die wir immer im Partnerlook auftreten (außer bei der Unterwäsche, ich zieh nämlich prinzipiell keine Tangas an), sollten nun auf dem längsten Flug unserer bisherigen Partnerschaft getrennt voneinander sitzen? Es erwartete mich also ein ruhiger Flug, auf dem ich ganz gemütlich schlafen könnte ohne unendliche Diskussionen über belanglose Dinge? Schrecklich!!!!!!!!! Kurze Zeit später bei der Sicherheitskontrolle (noch in Venedig) musste man einzeln in einen abgesperrten Bereich vor treten um seine Sachen auf das Laufband zu legen. Robin bekam also schon mal einen kleinen Vorgeschmack wie es ist ganz alleine zu sein. Diesen ersten Test überstand er schadlos (später am Flughafen von Sao Paulo wurde er bei der Kontrolle natürlich wieder abgetastet, wie auf jeder unserer Reisen – entweder er sieht echt verdächtig aus, er hat so viele Plomben im Mund, dass das Gerät bei ihm jedes Mal anschlägt oder er erwischt jedes Mal die notgeilsten, nicht immer nur weiblichen, Sicherheitsbeamten/innen – ihr seht schon: trotz des Zwischenfalls mit dem Handgepäck formuliere ich als Vorzeigestudent immer noch Gendersensibel).
Später am Gate verfluchten wir das System, weil so ziemlich jeder der Fluggäste mindestens zwei Handgepäcksstücke dabei hatte (außer uns). Ein Passagier kam mit einem komplett bis obenhin vollgepackten Trolley ans Gate – kein Problem. Ein anderer hatte einen Rollkoffer, der größer war wie unser eingecheckter Koffer, eine Notebooktasche für einen 33-Zoll Laptop und einen Aktenkoffer – kein Problem. Und die zwei waren keine Einzelfälle (wir waren definitiv auf jedem Flug die Passagiere mit dem kleinsten Handgepäck). Naja, wir konnten nur hoffen, dass sich unsere Rucksäcke in den riesigen Plastiksäcken einigermaßen wohl fühlten. In Frankfurt versuchten wir als die letzten zu boarden um eventuell frei gebliebene Emergency-Seats zu bekommen oder auch zwei nebeneinander liegende Plätze zu erhaschen. Leider war das Ganze vergebens. Während Robin im Endeffekt wieder mal einen seiner berühmten Lucky Punches auspackte und eine hübsche, blonde, junge Finnin als Sitznachbarin bekam, musste ich mich zwischen zwei zusammen 250 Kilo wiegende, stark behaarte, schwitzende Männer mittleren Alters quetschen (Viele werden jetzt sagen: “Da passt er eh perfekt dazu!”, trotz meines vorangeschrittenen Alters und meiner verhältnismäßig starken Körperbehaarung zähle ich mich da aber noch nicht dazu, außerdem habe ich das Gesamtgewicht der 3er-Reihe nur knapp über die 300 hieven können!). Glücklicherweise fand ich doch noch einen freien Gangplatz in der letzten Reihe und konnte die “Sauna” in Reihe 42 vorzeitig (noch vor dem Aufguss) verlassen.
Der Flug verlief eigentlich angenehm, außer, dass mich Robin aus Reihe 29 über Netzwerk am Bordcomputer im Schach vorführte. Das ließ mich nicht so richtig ruhig schlafen, dafür hielt ich bei der Landung immer noch überlegen den Trivial Pursuit Rekord. Ein weiterer Störfaktor beim Schlafen am 11-Stunden Flug nach Sao Paulo war (neben dem kleinen, engen Sitz – ich war ja jetzt aus dem Victory-Shuttle 2 Reihen nur für mich gewohnt) eine Frau, die sich entschloss auf Robin’s Kotzrekord aus Teneriffa los zu gehen.
Nach dem kurzen Zwischenstopp in Sao Paulo war es nur noch ein Katzensprung nach Brasilia. Dort erwartete uns schon unser Freund Rafa, der uns gleich nach der Ankunft (wir waren totmüde und wollten nur noch schlafen) zu einer Stadtrundfahrt und Sightseeing Tour mitnahm. Er erklärte uns, das Brasilia erst vor kurzem errichtet wurde und sehr durchstrukturiert ist. In einem Viertel gibt es nur Ministerien, in einem Viertel nur Schulen und Kirchen und in einem Viertel nur Botschaften. Alles in der Stadt ist genau durchgeplant. Außer die Straßen, das fiel uns gleich auf (da war wahrscheinlich die Asfinag am Werk). Wenn man nämlich rechts will muss man prinzipiell erst mal 2 Kilometer nach links fahren und umgekehrt. Luftlinie 5 Kilometer bedeuten 50 Kilometer Fahrt (Der Spruch: “Man sieht sich immer zwei Mal im Leben” trifft hier auf jede Kreuzung und jeden Kreisverkehr zu). So kreisten wir mit dem Auto durch Brasilia und bekamen eine Botschaft nach der anderen gezeigt (hier gibt es mehr Botschaften wie Einwohner). Im Gegensatz zu Rio ist Brasilia angeblich eine sehr sichere Stadt in der es wenig Kriminalität gibt. Wir begannen das anzuzweifeln, als wir uns dem Haus von unserem Freund näherten. Um ins Wohnviertel einfahren zu können muss man einen bemannten Wachposten mit Schranke passieren. Nur mit Ausweis oder Code kommt man durch die Schranke (ganz nebenbei sei auch noch erwähnt, dass es in jedem Wohnviertel eine eigene Polizei gibt, die jede Nacht patroulliert). Am zweiten Tag wurden unsere Zweifel dann bestätigt. Die Mutter unseres Gastgebers war zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie wurde während eines Raubüberfalls in einem Geschäft mit einer Waffe bedroht und zu Boden geworfen. Von da an ließen wir unsere Wertsachen zu Hause und liefen nur noch mit unseren ältesten T-Shirts (der sonst immer topgestylte Robin bekam ein altes T-Shirt von mir, weil er nur Markenklamotten mit hatte) herum.
Abgesehen von gelegentlichen bewaffneten Raubüberfällen (angeblich kommen sie wirklich selten vor) ist Brasilia aber ein schönes Fleckchen Erde mit einem künstlich angelegten See vielen, vielen, vielen (verdammt vielen) Botschaften. Die Courts waren nur 15 Minuten mit dem Auto von unserer Unterkunft (auf einem Hügel im Osten der Stadt) entfernt. In Österreich wären es maximal 5 Minuten, aber zusätzlich zum etwas gewöhnungsbedürftigen Straßenverlauf verzögerten auch noch 50cm hohe Bodenwellen in 100 Meter Abständen das flottere Vorankommen. Die 3 bis 4 Kilometer zum Training verliefen immer in etwa so: Vollgas im 1. Gang, raufschalten in den 2. Gang, Vollgas bis auf 50km/h, Vollbremsung mit quietschenden Reifen, langsam über die Bodenwelle, Vollgas im 1. Gang, raufschalten in den 2. Gang, Vollgas bis auf 50km/h, Vollbremsung … (ich hätte mich längst erhängt [vor ein Auto werfen geht ja nicht wegen der vielen
Bremshügel], wenn ich hier leben würde)! Statt dem halbjährlichen Reifenwechsel (hier gibt es weder Eis oder Schnee noch Winterreifen) müssen hier alle zwei Monate die Stoßdämpfer erneuert werden. Zwischen den Trainings achteten wir (wie immer – siehe auch Xandi’s Blog: Shanghai – Shang wieder ciao!) ganz besonders auf gesunde Ernährung (Subway gibt’s hier an jeder Ecke). Auf den Turnieren nehmen wir eigentlich immer regelmäßig Obst zu uns (meistens in Form von Trauben-Nuss-Schokolade oder Cola mit Zitrone) – so auch diesmal. Die brasilianische Nationalfrucht scheint die Maracuja zu sein. Jeden Tag bekamen wir frisch gepressten Maracuja-Saft und als Nachspeise nach dem Mittagessen gab’s immer Maracuja-Kuchen (mit Nutella – geile Kombi). In der Kraftkammer konnten wir zwischen zwei verschiedenen Sorten Gatorade wählen: Maracuja und Laranja-Maracuja! Die Seife im Badezimmer hatte Maracuja-Duft und ich glaube auch der WC-Stein bestand zu mindestens 50% aus Maracuja (vermutlich ist in Brasilien auch Maracuja und nicht Ananas auf der Pizza Hawai). Es kam mir fast so vor als gäbe es in Brasilia mehr Maracujas wie Botschaften – unglaublich.
Am Samstag spielten wir ein kleines (im wahrsten Sinne des Wortes – Robin war der größte Spieler am Court) Trainingsmatch gegen die dänischen Poke-Pinguine Kaschas/Kaschas (Namen sind in Lautschrift geschrieben – die heißen wirklich so, ka Schaß). Die zwei sind nur unbedeutend größer als ich und springen circa so hoch wie eine beinamputierte Giraffe. Obwohl ihre Hände von unserer Seite aus nie über dem Netz zu sehen waren konnten sie uns voll fordern. Ihr gefährlichster Angriffsschlag ist (wie ihr Name schon verrät) der Poke-Shot. Den beherrschen sie kurz, lang, mittel, schnell, langsam, angeschnitten, ins Out, ins Netz und rückwärts. Manchmal verwenden sie ihn auch zum Aufspiel oder in der Annahme. Es war ein mühsames Spiel für mich (so vielen Shots bin ich das letze Mal … ähh … eigentlich bin ich noch nie so vielen Shots nachgelaufen – bin ja meistens zu faul). Tags darauf trainierten wir dann mit dem absolut gegenteiligen Team aus Kanada Binstock/Van Huizen. Die wiegen gemeinsam 300 Kilo und könnten beide mit einer Hand das gesamte We Fly High – Beachteam aufheben. Sie sind wie Terminator und Demolition Man. Mein primäres Ziel in diesem Training war den Angriffen auszuweichen um keine bleibenden Schäden davon zu tragen. War gar nicht einfach, vor allem weil ich über Robin’s Händen das grimmige Gesicht von Van Huizen sehen konnte, wenn ich mich hinter dem Block verstecken wollte (Im Angriff versuchten wir dem Kanadier konsequent so fest wie möglich in die Achselgegend zu schlagen um ihn zu kitzeln). Trotz allem konnten wir gut dagegen halten.
Am Sonntagabend (zur Feier des Tages) baten wir vorsichtig um eine kleine Abwechslung bei den frisch gepressten Säften (wir wollten mal was anderes wie Maracuja ausprobieren). Unsere Gastgeberin nahm die Herausforderung an, ging in die Küche und fing an Früchte auszupressen die wir noch nie zuvor gesehen hatten. Mamao, Goiaba, Abacaxi, Banane, (eine krumme gelbe Frucht, die aussieht wie ein Bummerang), …! In Brasilien gibt es 6 verschiedenfarbige Traubenarten (angeblich)????? Naja Früchtemäßig sind sie uns circa so überlegen wie wir ihnen im Skifahren. Außer den Trainings am Ball begaben wir uns natürlich auch in die Kraftkammer um uns ein wenig aufzupumpen (und so mit unseren Mukkis die Gegner einzuschüchtern – ich verrate es gleich: der Plan ging nicht wirklich auf). Außerdem standen jeden Tag zwei Stabilisationseinheiten auf dem Programm (die Fahrten zum Training und zurück über die zahlreichen Bremshügel).
Das Abschlusstraining absolvierten wir dann unter anderem mit einem brasilianischen Team, dass sich gegen zwei Mini-Österreicher für die Country Quota ein wenig Selbstvertrauen holen wollte. Der schon bekannte Bruno de Paula (siehe auch Xandi’s Blog: Myslowice & Fürstenfeld in einem Zug!) hat sich für die heurige Saison den „kleinen“ Bruder von Weltmeister Fabio de Jesus Magalhaes geangelt. Der ist noch größer, noch kräftiger, noch ungeschickter und noch geschmacksverwirrter als sein legendärer Bruder. Gegen uns trainierte er ihn Speedos und einem zu kurzem T-Shirt. Dazu hatte er ein Loiola-Mäßiges gelbes Stirnband auf dem Kopf und wirkte so wie eine Mischung aus Rambo und Robocop (weil seine Bewegungen nicht wirklich koordiniert und flüssig ausfielen). Naja, wenigstens konnte ich so meinen letzten Platz in der Style-Wertung endlich abgeben (der Pole mit dem langen blonden Pferdeschwanz ist eine Liga darunter).
Natürlich brauchten wir für die Quali auch einen Glücksbringer. Zu diesem wurde der Hund unseres Freundes auserkoren. Ein übergewichtiger Mops namens Buddy (gesprochen: Baaadschi) mit Herzfehler, Ohrenschmerzen und Lungenproblemen dem die brasilianische Hitze sichtlich zu schaffen machte. Als wir das erste Mal zum Haus unsers Freundes kommen sahen wir den Hund verängstigt an und unser Freund meinte nur: „Keine Angst, der tut nix!“ Erst später verstanden wir, was er damit gemeint hatte. Der Hund tat wirklich nichts (außer Essen), überhaupt nichts, den ganzen Tag NICHTS!!! Er lief keinem Ball oder Stöckchen nach und kam auch nicht um sein Herrchen zu begrüßen. Die meiste Zeit verbachte er in seiner Lieblingsposition auf dem Bauch liegend (wobei keine seiner 4 Pfoten den Boden berührte). Aus der erhob er sich nur wenn er irgendwo etwas Essbares schnupperte. Statt zu bellen, nieste er andauernd und die sonstigen Laute die er von sich gab könnte man am ehesten mit dem Krächzen eines Raben (mit schwerer Halsentzündung) vergleichen. Nichts desto trotz glaubten wir an unser Maskottchen. Er hingegen war nach unserem Ausscheiden anscheinend so enttäuscht, dass er gleich zwei Mal ins Wohnzimmer pisste. Und kurz bevor wir die Heimreise antraten hinterließ er uns als Abschiedsgeschenk ein massives Häufchen in unserem Badezimmer (kein Schmäh – ich war nur froh, dass er sein Geschäft nicht in meinem Koffer erledigt hatte).
Zurück zum Sportlichen: Beim Technical Meeting erfuhren wir, dass die Quali schon um 8:00 Uhr beginnen würde, deshalb brachen wir schon kurz vor Ende nach Hause auf und wollten dann im Internet den Spielplan checken. Eine nicht sehr entspannende Massage später (circa 500 Bremshügel) trafen wir beim Haus unseres Freundes ein. In den Straßen des Wohnviertels war diesmal eine beängstigende Stimmung. Die Straßenlaternen waren ausgefallen und es herrschte Totenstille. Es gab einen Stromausfall, was aber kein Grund zur Beunruhigung sei, erklärte uns Rafael (er meinte die Leute seien nur so nervös, weil manchmal bei Raubüberfällen der Strom vorher gekappt wird – so konnten wir beruhigt schlafen). Vorher wollten wir aber noch wissen wann und wo wir spielen würden. Die Auskunft bekamen wir dann zum Glück (ohne Internet und Strom) von unserm Kollegen Flo „Schnetz Fetz“ S. Unsere Gegner waren Argentinier um 8:00 Uhr!!! auf Court 5! Da fiel mir der berühmte Spruch von meinem früheren Trainer ein: „Der frühe Wurm hängt den Vogel!“ (Buchanan Mitch 1997: „Mitch bei der Arbeit“. In: Life Guard [Herausgeber], „Meine besten Sprüche“, Hasseldorf: Lumenokia-Verlag, S. 198423 – 203677) Also bliesen wir unsere Kerzen aus und legten uns aufs Ohr.
Noch etwas verschlafen und bei noch am Himmel stehendem Vollmond betraten wir am nächsten Tag den Court und waren schon gespannt auf unsere (uns unbekannten) Gegner aus Argentina (wir hofften auf ein Duo wie Messi/Maradona oder so – beide unter 1,70 Meter und einer schon uralt und zugekokst). Leider haben wir es nicht so gut erwischt. Auf uns wartete ein 1,90 Meter großer und breiter Blockspieler und ein Verteidiger, dessen Körperbau meinem sehr ähnelte (einer der fürs Skispringen zu dünn war und deshalb mit Beachvolleyball angefangen hat). Der Blocker bekam von uns den Spitznamen „Hank the Tank“ aka „The Hammer“. Wir kamen uns dank dem immer noch am Himmel stehenden Vollmond vor wie in der Twilight-Saga: Hank the Tank sah aus wie ein Werwolf, der sich nach der Vollmondnacht noch nicht wieder zurückverwandelt hatte und drosch beim Einschlagen so auf den Ball, dass ich pausenlos in der 3-Meter Zone mit den Füßen den Court wieder begradigen musste. Nach dem Aufwärmen sah Court 5 aus wie ein Minenfeld im Irak. Im Spiel (als der Vollmond sich schön langsam verabschiedete und die Sonne aufging) versuchte der Werwolf aber meistens den Ball durch das Netz zu faschieren (zum Glück waren die Netze aus einem unzerstörbaren werwolfabweisenden Material), was ihm selten bis gar nicht gelang. Auch sein Partner fühlte sich im Sonnenlicht anscheinend nicht sehr wohl (vielleicht ein Vampir) und produzierte einige Fehler.
Nach dem Vampir-Gemetzel in Runde 1 bekamen wir es in Runde 2 gleich mit dem nächsten Monster zu tun. Gegner war der Muskelprotz und Megaprügler Iver Horrem aus Norwegen (jetzt auch noch die Wikinger?). Er klatschte in der gesamten Partie kein einziges Mal mit uns ab und schickte uns einen bösen Wickinger-Blick nach dem anderen. Zum Glück wussten wir von seinem weichen Kern (der sich unter der brutal harten und austrainierten Schale befindet): http://www.youtube.com/watch?v=-4i4xdLAeks ! Diese weiche Schmußekätzchen-Seite konnten wir bei ihm im Spiel aber leider nicht zum Vorschein bringen. Er fightete bis zum Schluss und entschied schlussendlich auch das Spiel mit einigen tollen Verteidigungen (und den darauf folgenden 200km/h-Angriffen.
Nach unserem Ausscheiden schauten wir uns noch ein paar andere Quali-Spiele an. Das aufregendste war mit Sicherheit Kaschas/Kaschas (Dänemark) gegen zwei 1,50 Meter große Chilenen. Es war wohl seit 1956 das erste Herrenbeachvolleyballspiel (bei den Damen gibt’s das ja immer wieder) auf der World-Tour bei dem ohne Block und ohne hartem Angriff gespielt wurde (keine Übertreibung). Beim kurzen Hinschauen glaubte man eine Standpartie zu sehen. Die Poke-Mons aus Dänermark setzten sich schlussendlich nach 4 Stunden und 43 Minuten knapp mit 2:0 durch. Für heute hatten wir genug gesehen. Ab nach Hause.
Schon am nächsten Tag trainierten wir wieder mit einigen hochkarätigen Teams, die es auch in der Quali erwischt hatte. Das Niveau war gut und wir zeigten auch keine schlechte Leistung. Unser Freund Rafael (der sich mittlerweile schon die Rolle eines Coaches einnahm) war aber anderer Meinung. Er sagte zu uns mitten im Training: „Ihr müsst noch einmal bohren!“ Erst als er auf Englisch übersetzte verstanden wir. Er meinte damit, dass wir noch einmal geboren werden müssten um Beachvolleyballer werden zu können!
Ganz so schwarz hab ich es noch nie gesehen – offensichtlich sind ihm unsere Größennachteile aufgefallen! Trotz der aufbauenden Worte beschlossen wir unsere Karriere nicht zu beenden. Lieber ließen wir uns von den Olympiasiegern ein wenig inspirieren – die sind uns größenmäßig ja ganz ähnlich J. Im Semifinale gegen Marcio/Ricardo (der spielt immer schwach wenn wir ihm zuschaun – siehe auch Xandi’s Blog: Die spinnen, die Römer!) spielten sie eine ganz neue Taktik im Side-Out. Rogers machte andauernd absichtlich einen Shot auf Marcio und ließ dann seinen Partner einen Block machen. Marcio schaffte es gezählte 5 mal (von 30 Chancen) im ersten Satz am Block von Dallhauser vorbei. Und von den 5 Bällen waren 4 im Out. Obwohl Dallhauser nie anserviert wurde machte er circa 35 Punkte (geschätzte 20 Blocks). Die wenigen Male, die er zum Angriff kam (wenn er einen zweiten Ball schlug, oder selber verteidigte) nahm er meistens die Linke Hand um auf den Ball zu schlagen. Egal mit welcher Hand – das Ergebnis war jedes Mal ein Punkt für die USA. Und Rogers stand plötzlich im Finale obwohl er bis zum Matchball glaubte sie machen eine Spielflussübung und Dallhauser verhaut die ganze Übung mit seinen Blocks.
Leider mussten wir vorm Finale die Heimreise antreten und verpassten so eine weitere Machtdemonstration vom aktuell besten Team der Welt. Bei der Heimreise durften wir dann zumindest zwei Handgepäcksstücke mit an Bord nehmen. Ein bisschen was helfen die blauen Augen ja doch in Brasilien (und der Anteil an kurzhaarigen Check-In Schalterbeamtinnen ist bedeutend geringer, als in Europa). Im Flieger von Brasilia nach Sao Paulo saßen außer uns noch Misty May, Brink/Reckermann, Emil Boersma und zwanzig andere Weltklassebeachvolleyballer. Wäre der Flug abgestürzt hätten Kaschas/Kaschas bei den nächsten Turnieren gute Chancen auf ein Top-Ten Ergebnis gehabt. Diesmal saßen wir beim langen Flug nebeneinander, nur vom Gang getrennt. Robin hatte wieder mal mehr Glück mit dem Sitznachbarn bzw. der Sitznachbarin. Er saß neben einer zierlichen junge Dame aus Uruguay, die begeisterter Fußballfan war. Er hatte also Platz und Gesprächsthema. Neben mir machte es sich ein Vorzeige-Alternativer gemütlich (er kam mit Rucksack [drinnen war sicher sein Zelt] und zerfetzten Hosen – keine Ahnung wie der sich das Ticket leisten konnte und verwunderlich, dass er es nicht mit dem umweltschonenderen Fahrad von Sao Paulo nach Madrid versuchte). Leider entschied er sich noch vor dem Abendessen 4 Bier runter zu haun und musste in der Folge fünf mal innerhalb von zwei Stunden aufs Klo – mühsam.
In Madrid (beim Rückflug war das eine der Zwischenstationen) erwischten wir bei der Passkontrolle wie immer die mit Abstand langsamste Schlange (diesmal wählte Robin – auch er hatte den richtigen Riecher für die längste Wartezeit). Wir stellten uns bei Schalter Nr. 8 an, wobei die Acht wohl eher quergelegt gemeint war (so unendlich lang war die Wartezeit). Als wir das geschafft hatten ging ich dann zum Friseur am Flughafen. Der war natürlich stockschwul, hatte aber eine irrsinnige Freude mit mir. Er bat mich gleich zwei Mal zur intensiven Haarwäsche und Kopfmassage und genoss es so richtig mir durch die Haare zu streichen. Während er mir die Haar schnitt (ich wollte die Haare so wie er haben – er hatte wirklich eine steile Frisur) scherzte er gemeinsam mit einer anderen Angestellten über mich und Robin. Entweder sie dachten wir wären ein Pärchen oder sie diskutierten wer von ihnen wohl eine Chance bei mir hätte – er oder sie. Er nahm sich auf jeden Fall alle Zeit der Welt für mich und arbeitet wirklich perfektionistisch. Schnitt einzelne Haare auf die richtige Länge und besserte andauernd noch was nach (bis ich aussah wie die exakte Kopie von ihm). Als ich dann zahlen wollte sahen mich beide (er und sie) total verliebt an und als ich ihn den Spiegel sah, war ich mir selber nicht mehr sicher wer jetzt von beiden eine Chance bei mir hätte (ich sah aus wie ein stockschwuler spanischer Friseur).
Nach der letzten Flugetappe nach Venedig mussten wir nur noch unser Gepäck abholen und uns ins Victory-Shuttle setzen. Doch mein Gepäck kam leider nicht. Später stellte sich heraus, dass mein Gepäck an der brasilianischen Grenze abgefangen wurde. Und wer kam da wieder ins Spiel? Natürlich – die Maracuja. Ich hatte eine Maracuja im Rucksack, die beschlagnahmt wurde. Verständlich ist sie doch das wichtigste Grundnahrungsmittel in Brasilien. Nach nicht einmal drei Stunden im Shuttle waren wir zu Hause. Der Saisonauftakt lag hinter uns und wir freuten uns schon auf das berühmte Turnier nach dem Saisonauftakt – das spielt man nämlich auch nur einmal in der Saison! Und welchen exotischen Ort wir uns dafür ausgesucht haben lest ihr vielleicht schon im nächsten Blogeintrag!




















He ihr beiden!
lasst mich weiterhin teil haben an euren abenteuerlichen Abenteuern!! Wird wohl alles so gewesen sein wie beschrieben, solche Geschichten kann man doch gar nicht erfinden…
liebe Grüße
inge
Haha! Wundert mi, dass da Robin nit auch im Flieger im Cockpit sitzen muss, damit ihm nit schlecht wird…!
super gschichtl, die richtige bürolektüre um fernweh zu kriegen:)
[...] schlimmer. Zuerst mussten wir im Flug nach Brasilien getrennt sitzen (siehe Xandi’s Blog: Auftakt nach Maß – Auftakt mit Spaß!) und zum Masters in Novi Sad reisten wir dann sogar mit verschiedenen Flugzeugen an. Robin hatte [...]