Kaum waren wir aus Griechenland zurück, mussten wir auch schon wieder die Koffer packen. Es folgte eine Reise ins Ungewisse zum CEV Satellite in Kiev Anfang Juli. Obwohl wir von der oft negativ behafteten Ukraine positiv überrascht wurden, entwickelte sich der Ausflug für uns in eine wahre Horrorwoche.

Wie bereits in der vorigen Episode meines Blogs erwähnt, hatten wir den dreiwöchigen Trip nach Griechenland, Kiev und Gstaad optimal geplant. Nach den vergleichsweise wenigen Pannen (siehe Xandi’s Blog – „Anyways – Früher oder Später kommen wir wieder nach Hause!“) beim Naxos-Ausflug waren wir zuversichtlich, dass auch diesmal alles gut klappen würde. Das Auto parkten wir diesmal in München, weil wir direkt nach unserer Rückkehr nach Gstaad weiter cruisen wollten. Der türkische Parkplatz & Shuttle Service übernahm meinen froschgrünen VW mit einem Lächeln (Ey guck das Auto! Bist du schwul oda was?)  und brachte uns anschließend zum Flughafen.

Dort kam es dann zum ersten Zwischenfall. Unsere Tickets konnten nicht ausgestellt werden. Der Fehler lag aber weder bei uns noch bei unserem Reisebüro Springerreisen! Irgendein schwerwiegendes Computerproblem (Windows) verhinderte den Ausdruck der Tickets. Nach ein paar Sparziergängen (hin und her und hin und her) mit einer Lufthansamitarbeiterin war aber auch schon wieder alles geklärt. Es konnte los gehen. In Wien mussten wir noch kurz umsteigen (ihr haltet uns jetzt sicher für verrückt, aber so war das Ticket billiger) und wenig später landeten wir schon in Kiev. Dort angekommen mussten wir eine Einreisekarte ausfüllen und diese dann bei der Passkontrolle vorzeigen. Natürlich bildeten sich schnell einige Warteschlangen und wir erwischten wieder mal die langsamste. Ein junger Mann, der sich neben uns in der Schlange anstellte (circa zur gleichen Zeit) war in wenigen Augenblicken bei der Kontrolle. Er wurde aber zurückgeschickt, da er die Einreisekarte nicht ausgefüllt hatte. Nach Erledigung dessen reihte er sich wieder in einer der Schlangen an. Während wir gerade mal zwei Schritte nach vorne gemacht hatten, war er schon wieder beim Kontrolleur vorne. Ein zweites Mal wurde er zurückgeschickt. Hektisch begann er zu telefonieren und ein paar Sachen auf seiner Einreisekarte zu ergänzen. Kurz darauf stellte er sich wieder an. Mittlerweile warteten nur noch 5 Personen vor der Passkontrolle (zwei davon waren wir). Zuerst stellte er sich hinter uns. Doch im entscheidenden Moment wechselte er in die zweite noch vorhandene Schlange und überholte uns ein weiteres Mal. Wir waren wieder die Letzten!

In der Ankunftshalle wartete der ukrainische Shuttle-Fahrer schon auf uns. Kaum saßen wir in seinem 200 PS Schlitten begann er eine Konversation: „A lot of Kurwas here! Nice Kurwas!“ Sergej, so hieß er, konnte nicht sehr gut Englisch. Weil ich wissen wollte wie lange wir zum Hotel brauchen fragte ich ihn ob er Deutsch spricht. Als er „Deutsch“ hörte begann er mit dem Kopf zu nicken und sagte: „Ja, ja! Ja, Deutsch! Österreich! Frauen. Nice Frauen!“ Deutsch war also auch keine so gute Idee. Irgendwie konnten wir uns dann doch ein wenig verständigen (es war wieder einmal das berühmte Spiel: ich fragte auf Englisch gemischt mit Slowakisch und er antwortete in einem Russisch-Englisch-Deutsch Gemisch!). Er erzählte uns, dass er schon seit 7 Uhr morgens unterwegs ist und an diesem Tag schon 300 Euro Strafe gezahlt hatte, weil er immer mit 240 Km/H zwischen Hotel und Flughafen hin und her gerast ist. Mit uns kratzte er nur kurz die 200 – er war offensichtlich schon richtig müde. Weiters verriet er uns, dass er ukrainischer Nationalteamlibero war (Als er noch gespielt hat gab es wahrscheinlich noch Service-Block. Also Libero war er sicher nicht. Außer er hat von Fußball geredet.). Nach einer kurzen Courtbesichtigung brachte er uns ins Hotel. Die Anreise war geschafft.

Die Plätze waren nur eine U-Bahn Station entfernt. Eine Fahrt kostete pro Person irgendwas zwischen 2 und 3 fast wertlosen ukrainischen Münzen (circa 10 Cent). Also zu Fuß gehen zahlte sich nicht wirklich aus. Gespielt wurde das Turnier direkt am Ufer des Dnjepr (auch bekannt vom berühmten Zungenbrecher und Fußballklub Dnjepr Dnjeprpetrovsk). Von der U-Bahn Station musste man sich den Weg durch einen riesigen Rummelplatz bis zu einer luxuriösen Strandbar mit eigenem Sandstrand bahnen. Dort wurden am Eingang die Reisepässe kontrolliert, die wir zum Glück (wer hätte das gedacht) sogar dabei hatten. Das Preliminary Inquiry (das Einschreiben zum Turnier) erfolgte diesmal im Schnitzeljagdsystem. Die Spieler mussten von nicht englischsprachigem Mitarbeiter zu nicht englischsprachigem Mitarbeiter um sich in gebrochenem Englisch Hinweise zu holen. Am Ende musste man dann auch noch den Verantwortlichen, der mit der Entry-List irgendwo am Gelände herum gurkte, finden um unterschreiben und sich so offiziell für das Turnier registrieren zu können. Beim Technical Meeting bekamen wir dann nur gesagt, dass es noch ein zweites Meeting geben werde, da die Plätze in katastrophalem Zustand waren.

Das wurde uns dann schon beim Aufwärmen zum ersten Training klar. Bei einer Runde Einlaufen klaubte ich einen Knochen (hoffentlich war’s ein Tierknochen), einen Kopfgroßen Stein, eine grüne und eine weiße Scherbe und einen Holzscheitel (mit dem man zu Hause meine ganze Wohnung für zwei Tage heizen hätte können) aus (Die Beschreibungen und Erzählungen sind NICHT übertrieben oder dramatisiert um dem Blog mehr Spannung zu verleihen!). Der Turnierstart war also erstmal verschoben und sogar eine Absage war nicht auszuschließen. Am nächsten Tag konnten aber dann die ersten Spiele über die Bühne gehen. Kurz vor unserer Partie (die wir ja bekanntlich ganz bitter verloren haben) wurde der Spielbetrieb auf dem Center-Court eingestellt, weil ein (welch Ironie des Schicksals) ukrainischer Spieler anscheinend ein im Sand vergrabenes (offensichtlich nicht tief genug vergraben) Metallstück von der Größe eines Kleinwagens entdeckte. Ich tippe auf den Flügel eines alten Kriegflugzeuges, das würde nämlich auch die von mir gefundenen Knochen erklären (Hilfe!!!!!!).

Nach unserer Niederlage, die nicht auf den quickfidelen, adleräugigen und blitzschnellen Linienrichter zurückzuführen war (Im zweiten Satz stieg er erst nach dem Technical Time-Out wieder ein, weil er sich in der Satzpause kurz in den Schatten stellen wollte. Die 2 Meter hin und zurück schaffte er nicht so schnell und außerdem war er im Schatten kurz eingepennt, glaube ich.),  ereilte uns dann eine wirkliche Horrormeldung.  Auf Grund seiner schlechten Augen wurde Robin als nicht Heeressportzentrumstauglich eingestuft und erfuhr, dass er deshalb schon am Montag (am Sonntag ging unser Rückflug) ins normale Bundesheer einrücken musste. Auf diesen Schock hin wollte Robin seine letzten Tage in Freiheit noch richtig genießen und so entschieden wir am Samstag die Players-Party zu besuchen. Als wir dort ankamen begrüßte uns eine Empfangslady, die sich gleich für die geringe Anzahl an Partybesuchern entschuldigte. Tatsächlich waren wir die einzigen Spieler und auch sonst war nicht viel los. Die Strandbar hatte sich aber in einen richtig coolen Partytempel direkt am Strand mit Swimmingpool und Tanzfläche verwandelt. Eigentlich wollten wir sofort wieder gehen und wollten davor nur kurz die Toilette benutzen. Dort kamen uns aber plötzlich Geräusche zu Ohren, die man sonst nur in einem russischen Porno zu hören bekommt. Ein wenig perplex verließen wir und der Security, der das ganz auch schon mitbekommen hatte und zur Kontrolle ins WC gekommen war, die Toilette. Nach diesem Erlebnis entschlossen wir uns einen Cocktail zu trinken und zu warten bis eine Frau die Herrentoilette verlässt.

Einige Zeit und einige Cocktails später war es dann so weit. Ein völlig zerzaustes Pärchen (wirklich wie in einem schlechten Film) kam ziemlich in Eile aus dem Klo gestürmt setzte sich zu einem Tisch und verließ kurz darauf die Bar. Die Wartezeit hatte sich gelohnt. Weil wir ja schon mal da waren gönnten wir uns gleich noch ein bis zwei Drinks. Zwischendurch wollten wir uns auch mal ein Lied vom DJ wünschen, der hatte aber keine Ahnung von was wir überhaupt redeten (Snoop Dogg? Nie gehört!) und legte weiterhin seinen Hardcore-Techno-House auf. Nicht einmal Robin’s Verzweiflungswunsch, ein Lied von David Guetta (auf Grund der Umstände konnte ich meinem Partner die geschmacklichen Entgleisung ausnahmsweise verzeihen), konnte er erfüllen. Egal. Als dann die ersten Party-Gäste im Pool landeten (hell war es auch schon) beschlossen wir den Heimweg anzutreten. Leider verkehrte die U-Bahn nicht mehr und wir mussten den Weg zu Fuß zurücklegen. Zum Glück trafen wir auf halbem Weg einen komplett betrunkene (noch ärger als wir) Ukrainer, der uns unbedingt den Weg zeigen wollte. Nur schwer wurden wir ihn wieder los. Erst als er den McDonalds gegenüber unseres Hotel erspähte ließ er von uns ab und wir konnten unbemerkt in unser Zimmer entwischen. Tags darauf holte uns unser geliebter Shuttle-Fahrer Sergej vom Hotel ab und brachte uns zum Flughafen. In den vergangenen Tagen hatte er anscheinend einige Vokabeln in Englisch nachgeschlagen und konnte uns so von seiner Vorliebe für Rockmusik erzählen. Im strömenden Regen und bei 150 Km/H legte er seinen ukrainischen Lieblingshardcorerock auf und drehte den Radio auf volle Lautstärke. Die Musik war zwar ganz lustig, aber nach der vorangegangenen Nacht nicht unbedingt das richtige gegen meine Kopfschmerzen. Von Lied zu Lied driftete das ganze außerdem immer mehr ins Heavy und Death Metal Metier ab. Kurz vor der Explosion meines Kopfes erreichten wir den Flughafen.


Nach der Landung in München erwartete uns bereits wieder das türkische Shuttle zum Parkplatz. Zufällig kamen wir auf die laufende Fußballweltmeisterschaft zu sprechen und fragten unseren Fahrer was er von dem stark spielenden Mesut Özil (ein Türke, der für die Deutschen spielt) hält. Daraufhin begann er uns die vollen zehn Minuten Fahrt vollzulabern: „Die Türken sind die besten Spieler, ich meine wir haben die beste Mannschaft der Welt. Bei der letzten EM sind wir nur von den Schiedsrichtern betrogen (ja, ja, die Schiedsrichter – erinnert mich an die Facebook-Einträge eines von den Unparteiischen stets arg benachteiligten Beachvolleyballteams aus Österreich – in zwei Wochen waren gezählte sieben Mal die Schiris an einer Niederlage schuld) worden und das wir jetzt nicht dabei waren, war auch nicht fair. Ich glaube wenn wir gespielt hätten, wären wir Weltmeister geworden, … bla … bla  … bla!“ Wir versuchten ihn zwischendurch immer wieder mit unserem Ümit Korkmaz (Türke, der für Österreich spielt) zu beruhigen. Er beachtete uns aber gar nicht während er seine türkischen Fußballer weiter unendlich hoch lobte.

Die nächsten Stunden verbrachten wir dann wieder mal im Auto. An statt in die Schweiz ging’s aber zurück nach Klagenfurt, weil ja Robin kurzfristig zum Grundwehrdienst vergattert wurde. Eine erneute Untersuchung seiner Augen gleich am Montag in der Früh sollte aber eine Aufstufung seiner Tauglichkeit ermöglichen und ihm somit doch noch den Weg ins Heeressportzentrum ebnen. Diese Untersuchung brachte aber leider keine neuen Erkenntnisse und so musste erstmal der Einrückungstermin in den Herbst verschoben werden, um Robin die Teilnahme an den restlichen Turnieren des Sommers zu ermöglichen. Wenn man schon eingerückt ist (so wie Robin an diesem besagten Montag) ist das eigentlich nicht mehr möglich. Dank vollem Einsatz aller Beteiligten Organisationen (ÖVV, BSO, HSZ, BMS, MFG, LG, HDL, USA, FBI, …) wurde eine Ausnahme genehmigt. Diese geltend zu machen und den Stellungstermin offiziell zu verschieben war aber nicht vor Donnerstag oder Freitag möglich. Mussten wir Gstaad also wirklich auslassen? Natürlich nicht. Robin’s Kommandant, der bis zur Verschiebung des Termins über ihn bestimmen durfte, gab ihm für das Turnier in den Schweizer Bergen einfach Urlaub (gleich am ersten Arbeitstag in den Urlaub – wie geil is das denn?). So kam am Dienstag morgen wieder meine froschgrüne Limousine zum Einsatz.

Wieder zurück nach München, dann weiter nach Vorarlberg (Ein friedliches, schönes, kleines Land, das irgendwo zwischen den Bergen versteckt und gar nicht so leicht zu finden ist. Niemand weiß so richtig was für eine Sprache die Menschen dort sprechen oder welchem Staat sie angehören. Ich glaube sie sind eines der 10 neuen EU-Mitgliedszwergstaaten oder so. Auf jeden Fall konnten wir mit Euro zahlen.) wo wir zwischenstoppten. Mit vollem Einsatz unserer Hände und all unserer gestikularen Fähigkeiten schafften wir es uns in einer Hütte am Wegrand eine Bratwurst mit Pommes zu bestellen (heißt auf Gsibergerisch – so nennt sich die Sprache dieses außergewöhnlichen Volkes – anscheinend Schübling). Die Pause nutzte ich außerdem um uns telefonisch ein Hotelzimmer in der Nähe von Gstaad zu buchen. Weil es in dem Luxusörtchen kein Zimmer unter 100 Euro gibt versuchte ich es in der nur 5 Kilometer entfernten französischen Schweiz. Da sich meine Französisch-Kenntnisse aufs Schlafzimmer begrenzen bestellte ich das Zimmer auf Englisch um auch richtig verstanden zu werden. Im Quartier angekommen (nach 3 Stunden Fahrt durch die Schweizer Berge) fand natürlich niemand unsere Reservierung und das gesamte Hotel war ausgebucht. Dank Robin’s fließendem  Französisch erfuhren wir, dass die Dame, mit der ich telefoniert hatte, uns erst für den nächsten Tag eingetragen hatte. Sie erklärte (in perfektem Deutsch), dass sie nicht so gut Englisch spricht und deshalb etwas missverstanden hatte (FORMEL: {Gutes Englisch + [schlechtes Englisch * durchschnittliches Französisch] – gestammeltes Italienisch} / gutes Französisch = Missverständnis, perfektes Deutsch Rest).

Glücklicherweise hatte unser verlässlicher Kollege Daniel „i bin schon sooo long auf da Tour“ Hupfer, der schon im Jänner alle Flüge für den ganzen Sommer gebucht hat (beeindruckend wie gut er die Saison immer plant, auch wenn er heuer die meisten Flüge zu den Grand Slams stornieren musste), für seinen Coach ein Dreibettzimmer gebucht. Zwei Betten waren also übrig und wir hatten einen Schlafplatz. Am nächsten Morgen mussten wir uns leider den französischen Ces-Brüdern (schon wieder Ärger mit Franzosen) geschlagen geben. Das Turnier war vorbei und unser We Fly High – Mobil hatte wieder seinen Einsatz. Da Robin nur für den Verbleib im Turnier Urlaub bekommen hatte musste er sich umgehend nach unserem Ausscheiden wieder in der Kaserne einfinden. Gar kein leichtes Unterfangen wenn man bedenkt, dass wir circa 900 Kilometer von Robin’s Bundesheerstützpunkt entfernt waren. Einige Stunden mit durchgedrücktem Gaspedal später erreichten wir kurz nach Mitternacht unser geliebtes Klagenfurt (unglaublich – schon wieder haben wir es wieder zurück nach Hause geschafft). Am nächsten Tag beendete Robin seinen Kurzurlaub und meldete sich zurück zum Dienst in seiner Kaserne. Kurz darauf wurde er auch schon wieder entlassen und sein Stellungstermin verschoben. Es war der wahrscheinlich kürzeste Grundwehrdienst in der Geschichte des österreichischen Bundesheers. Unseren nächsten Turnierteilnahmen (und den damit verbundenen Abenteuern) stand also nichts mehr im Wege!

Ein Kommentar zu “Vergatterung!”

  1. DAne sagt:

    XD is ja oba geil :D

    Bundesherr kann ja auch geil sein hehe

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